Später K.o.: Pirmasens kontert RWK aus

Für den FC Rot-Weiss Koblenz sollte es im Regionalliga-Heimspiel gegen den FK Pirmasens nicht zu Zählbarem reichen. Die Gastgeber verloren drei Tage nach dem Auswärtssieg beim TSV Schott Mainz im heimischen Stadion Oberwerth vor 305 Zuschauern mit 1:2 (0:0). Der Abend hätte einen perfekten Auftakt für die Gastgeber bekommen können. Zur Überraschung vieler zeigte Schiedsrichter Roy Dingler bereits in der vierten Minute auf den Elfmeterpunkt. Er hatte einen Trikotzieher an einen Koblenzer ausgemacht. „Eine fragwürdige Entscheidung. Der Schiedsrichter wusste glaube ich selbst nicht, wer das Foul begangen haben soll“, tat sich Gästetrainer Kevin Stotz schwer, den Pfiff nachvollziehen zu können. RWK-Kapitän Quentin Fouley schnappte sich den Ball, entschied sich für die aus seiner Sicht linke untere Ecke, in die Pirmasens-Keeper Benjamin Reitz abtauchte und parierte. „Ich kenne Quentin jetzt seit drei Jahren und habe noch nie gesehen, dass er in einem Spiel oder im Training einen Elfmeter verschossen hat. Er wurde heute zum tragischen Helden“, kommentierte FC-Trainer Heiner Backhaus die Aktion.
In der torlosen ersten Hälfte hatte Koblenz die Oberhand, aber im Abschluss waren die Rot-Weißen noch zu unkonzentriert. Die besten Chancen entstanden durch ruhende Bälle, aber auch spielerisch machte RWK seine Sache trotz des schwer zu bespielenden Platzes ordentlich. Die gefährlichsten Aktionen vor der Pause: Nach einem gefährlichen Freistoß von Fouley aus halblinker Position entstand im Pirmasenser Strafraum ein Riesen-Chaos, jedoch schaffte es die Backhaus-Elf nicht, den Ball im Tor zu versenken. Der wurde zweimal geblockt, auf der Linie gerettet und Alexis Weidenbach trat zu allem Überfluss über den Ball. Es war die zweite Großchance, die liegen gelassen wurde. Gegen seinen Ex-Verein versuchte es Iosif Maroudis nach knapp einer halben Stunde aus 16 Metern, aber Reitz hatte keine Probleme, den Ball festzuhalten. Dann noch einmal Fouley: Ein schönes Solo von Jakob Lemmer wurde durch ein Foulspiel gestoppt. Den anschließenden Freistoß schoss Fouley aus 17 Metern Torentfernung und zentraler Position in die Mauer. Von Pirmasens war derweil wenig bis gar nichts zu sehen. Die Gäste kamen gegen die stabil stehende Koblenzer Hintermannschaft zu keiner erwähnenswerten Torchance.
„Wir haben heute wesentlich besser gespielt als in den drei, vier Partien zuvor. Auch mit dem Ball war das eine richtig gute Leistung. Es hätte dem Qualitätsunterschied entsprochen, wenn wir mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Kabine gegangen wären“, sagte Backhaus später, der über 90 Minuten betrachtet ein „gefühltes Chancenverhältnis“ von 10:3 für sein Team ausmachte. „Aber es ist durchweg unser Problem in dieser Saison, die Möglichkeiten zu verwerten.“ Was ihn noch störte: „Wir wurden bitter dafür bestraft, dass wir uns nur mit Hurra-Fußball beschäftigt und das Spiel gegen Ball vernachlässigt haben.“ Und das führte zur Niederlage.
Die erste Aktion der hitzigen zweiten Spielhälfte gehörte erneut Koblenz. Maroudis trieb den Ball nach vorne, ging an drei Gegenspielern vorbei, spielte auf Höhe der Strafraumlinie zu Lemmer, der aus halbrechter Position aus 15 Metern zum Schuss kam, doch Torwart Reitz parierte (52.). Dann trauten sich die Pfälzer in die Offensive. Als Luca Eichhorn den Ball über rechts in den Angriff brachte und Dennis Krob aus zwölf Metern abzog, sah Baboucarr Gayé den Ball erstmals in seine Richtung fliegen. Die Kugel verpasste knapp das Tor (54.). Abschluss Nummer zwei saß. Luka Dimitrijevics dribbelte sich an zwei Koblenzern vorbei, flankte und David Becker spielte mit seinem Kopfballtreffer unter Bedrängnis die Lufthoheit in dieser Szene aus (57.).
Backhaus nahm sofort Wechsel vor. Nils Fischer und Henry John Crosthwaite sollten dem Angriff frischen Wind verleihen. Auch nach dem Tor zum 0:1 machte Rot-Weiss mutig weiter und kam durch den ausgeübten Druck zum verdienten Ausgleich. Lemmer flankte von rechts und der eingewechselte Fischer nickte zum Gleichstand ein. Koblenz wollte nun die drei Punkte mitnehmen und wurde immer offensiver. Das wurde den Rot-Weißen zum Verhängnis, denn als sie die unkonzentriert ausgespielten Angriffe nicht zu Ende brachten, roch Pirmasens seine Chance und erzielte im Gegenstoß den Siegtreffer in einer Partie, die Koblenz nicht hätte verlieren müssen. „Vier, fünf Leute diskutierten, warum eine überhastete Flanke nicht ankam, anstatt gegen den Ball zu arbeiten“, ärgerte sich Backhaus über den späten Knock-out. Luka Dimitrijevic, zur zweiten Halbzeit eingewechselt, wurde für den FKP zum Matchwinner. Er vollendete den blitzsauberen Konter in der 87. Minute. In der Nachspielzeit nach Crosthwaite nach einem groben Foulspiel noch die Rote Karte.
„Es war ein harter Fight. Den Sieg haben wir uns erarbeitet. Nachdem wir in den vergangenen Wochen viel hatten schlucken müssen, befand sich das Glück heute auch einmal auf unserer Seite“, sagte der Pirmasenser Training Kevin Stotz.

Koblenz: Gayé – Jakob (63. Ceylan), Weidenbach, Duncan, Stojanovic – Spang – Bender (60. Crosthwaite), Fouley – Maroudis – Lemmer, Käfferbitz (60. Fischer).
Schiedsrichter: Roy Dingler (Birkenfeld).
Zuschauer: 305.
Tore: 0:1 David Becker (57.), 1:1 Nils Fischer (76.), 1:2 Luka Dimitrijevic (87.).
Besonderheiten: Pirmasens Benjamin Reitz hält Foulelfmeter von Quentin Fouley (4.), Rote Karte gegen Koblenz Henry John Crosthwaite (90.+2, grobes Foulspiel).

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