Koblenz geht in Kassel leer aus

Sie hatten massig Eckstöße – nach 45 Sekunden bereits derer zwei -, im zweiten Abschnitt einige vielversprechende Torchancen, machten in der Rückwärtsbewegung sehr vieles richtig, doch zu Punkten reichte das für den FC Rot-Weiss Koblenz am Samstagnachmittag in der Fußball-Regionalliga Südwest nicht. Beim KSV Hessen Kassel musste sich RWK mit 0:2 (0:0) geschlagen geben. „Die Mannschaft befindet sich auf einem guten Weg“, misst Heiner Backhaus sein Team nicht nur an den Ergebnissen. Das jüngste aus Nordhessen bringt die Koblenzer allerdings unter Zugzwang. Backhaus bestätigt: „Wir haben nicht viel Zeit und müssen uns am Dienstag die heute abgegebenen Zähler zurückholen.“ Dann empfängt sein Team ab 18.30 Uhr im Stadion Oberwerth den FC-Astoria Walldorf.
Individuelle Sachen machten im Auestadion den Unterschied. In der 66. Minute trat Alexis Weidenbach nach einer Hereingabe von Lukas Iksal über den Ball, in seinem Rücken lauerte Moritz Flotho, der nur noch den Fuß hinhalten musste, um seine Mannschaft in Führung zu bringen. „Es war ein typisches Spiel, das die Mannschaft für sich entscheidet, die das erste Tor schießt. Den individuellen Fehler, den wir heute gemacht haben, hat Kassel nicht gemacht. Das müssen wir schleunigst abstellen“, machte Rot-Weiss-Trainer Backhaus den Unterschied aus. „Darüber hinaus waren wir auch im letzten Drittel nicht konsequent genug.“ Das machte sich vor allem in der ersten Halbzeit bemerkbar. Die Gäste erkannten zwar die KSV-Schwierigkeiten, das Spiel präzise aufzubauen, wenn sie unter Druck gesetzt wurden, schlugen daraus trotz einiger provozierter Fehlpässe jedoch kein Kapital. Standortsituationen zu genüge, Torchancen jedoch keine nennenswerten – so sah in der ersten Halbzeit der Koblenzer im Angriff aus.
Das Team von Tobias Damm kombinierte sich auch nicht viel heraus, hatte in der 20. Minute jedoch Pech, als der spätere Torschütze Flotho den Ball in den Lauf von Serkan Durna spielte, der am Pfosten scheiterte, nachdem er drei RWK-Verteidiger hatte aussteigen lassen.
Im zweiten Durchgang öffnete sich die Partie. Johannes Bender gab in der 47. Minute ein erstes Lebenszeichen ab. Sein Distanzschuss aus gut 25 Metern verfehlte, weil abgefälscht, knapp das Ziel. So viele Eckstöße die Elf vom Deutschen Eck auch in den Strafraum brachte – so auch diese nach dem Bender-Schuss –, die Lufthoheit behielt der KSV. Gefährlicher waren die Hausherren bei ihren ruhenden Bällen. So fehlte dem erst kurzfristig in die Anfangself gerückten Brian Schwechel nach Ingmar Merles Freistoß nur ein Schritt zur Führung (52.). Diese fiel eine Viertelstunde später und schien Koblenz wachzurütteln. Der eingewechselte Nils Fischer (68.), Iosif Maroudis nach einer Hereingabe des fleißigen Arthur Ekallé (70.), ein gefährlicher, von Kassels Schlussmann Nicolas Gröteke mit den Fingerspitzen um den Pfosten gelenkter Drehschuss von Danny Breitfelder, der erstmals in einem RWK-Ligaspiel in der Startformation stand (75.), – die Gäste drückten auf den Ausgleich. Den hätte um ein Haar ein Kasseler auf kuriose Art und Weise besorgt. Lukas Iksal versuchte einen Rückpass zu Gröteke, der knapp am eigenen Tor vorbei im Toraus landete (80.).
Trainer Backhaus zückte alle Optionen: Quentin Fouley, der diesmal in der Abwehrreihe begann, rückte eine Position nach vorne auf Sechs, mit dem kopfballstarken Neuzugang Tim Brdaric kam ein potenzieller Adressat für weitere Standardsituationen. Die Einwechslung von Dylan Esmel für den erst im Laufe der zweiten Hälfte gekommenen Osman Atilgan war hingegen nicht geplant. Der Deutsch-Türke schied mit Verdacht auf Fußbruch aus.
Koblenz schnupperte am 1:1, kassierte stattdessen das 0:2, und auch das hätte auf dem Weg dorthin nicht fallen müssen. Obwohl Moritz Flotho bei einem Eckstoß von vier Rot-Weiss-Akteuren umzingelt war, gewann er das Kopfballduell, legte den Ball auf Schwechel weiter, der aus der Nahdistanz vollstreckte und den Deckel auf die Partie setzte. „Wir dürfen nicht lange nachdenken und müssen schnell unsere Krone richten“, sagt Trainer Backhaus mit Blick auf das Walldorf-Spiel am Dienstag im eigenen Stadion.

Kassel: Gröteke – Merle, Schwechel, Springfeld, Najjer – Kahraman, Brill – Döringer (89. Fischer), Vesco (76. Stendera), Durna (61. Iksal) – Flotho.
Koblenz: Gayé – Spang, Fouley, Ghandour (78. Brdaric) – Ekallé, Maroudis, Bender (63. Weidenbach), Stojanovic – Crosthwaite (51. Atilgan, 78. Esmel) – Lemmer (63. N. Fischer), Breitfelder.
Schiedsrichter: Marc Heiker (Sulzbach).
Zuschauer: 1490.
Tore: 1:0 Moritz Flotho (66.), 2:0 Brian Schwechel (85.).

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